Fibromyalgie und Rohkost

Ein Gastbeitrag von Frau Dr. Kathrin Hamann – aus Wandmaker aktuell

In meiner Zeit als Ärztin im Krankenhaus hatte ich die Möglichkeit neben meiner Arbeit auf Station auch Patienten in der Rheumatagesstation zu betreuen. Dabei habe ich Patienten behandelt, die unter einem Schmerzsyndrom litten, welches bei einigen Kollegen keine rechte Akzeptanz findet. Dabei ist es ein Schmerzsyndrom, das durch seine komplexen Mechanismen sehr viel Behandlungspotential bietet.

Die Rede ist vom Fibromyalgiesyndrom. Der Begriff beschreibt ganz allgemein Schmerzen im Körper und steht als Oberbegriff für anhaltende Schmerzen, für die es scheinbar keine Ursache gibt. Jedenfalls haben betroffene Patienten oft einen langen Leidensweg hinter sich und unzählige Untersuchungen über sich ergehen lassen, die jedoch keine zugrundeliegende Ursache offenbaren konnten.

Das ewige Suchen nach einer Ursache für die Schmerzen ist oftmals sehr frustrierend, sowohl für den Patienten als auch für den Arzt. Dieser versichert seinen Patienten, dass alles in Ordnung ist, was der Patient dann nicht glauben kann, da er nach wie vor starke Schmerzen verspürt.

Oftmals führen diese Differenzen zu Spannungen zwischen Arzt und Patient. Manchmal eskaliert die Situation. Meist wendet sich der Patient anderen Ärzten zu, in der Hoffnung endlich die Lösung zu finden und die lästigen Schmerzen loszuwerden. Nicht zuletzt bleibt auch der Arzt frustriert zurück, konnte er doch nicht helfen.

 

Fibromyalgie Schmerzen ohne erkennbare Ursache

 

Das von vielen Betroffenen liebevoll als “Fibro” bezeichnete Schmerzsyndrom ist letztlich nichts anderes als ein Leben mit sehr belastenden, anhaltenden Schmerzen, für die man keine offensichtliche Ursache finden kann. Die Suche nach den Ursachen mündet in einer langjährigen Odyssee von Arzt zu Arzt. Das deprimiert den Patienten, lässt den Glauben an die moderne Medizin verlieren, bishin zu allgemeiner Skepsis gegenüber Ärzten.

Das kann ich sehr gut nachvollziehen, denn oft habe ich Kollegen erlebt, die mit den Augen rollten, wenn sich ein weiterer Patient mit “Fibro” vorstellte.

Da keine organische Ursache gefunden werden kann, trotz aufwendiger moderner Untersuchungen, werden “Fibropatienten” wie Hypochonder oder Simulanten behandelt. Leider.

 

Jeder vom Patienten geschilderte Schmerz sollte jedoch ernst genommen werden, denn Fibromyalgiepatienten bilden sich den Schmerz nicht ein. In Magnetresonanzuntersuchungen des Gehirns konnten starke Aktivitäten in den Schmerzzentren nachgewiesen werden. Das zeigt objektiv, dass der Patient wirklich Schmerzen hat, sich diese also nicht einbildet. Um so wichtiger sollte es daher sein, die Fibromyalgie rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

 

Fibromyalgie erkennen

 

Wie zeigt sich eine Fibromyalgie? Diese Frage ist leider nicht so einfach zu beantworten, denn die Beschwerden der Patienten können stark variieren. In der Praxis haben sich Schmerzfragebögen bewährt, die zum einen den Ort des Schmerzes eingrenzen helfen, die Schmerzstärke anhand einer Schmerzskala beziffern lassen, sowie den zeitlichen Verlauf dokumentierbar machen.

Vor der Diagnosestellung Fibromyalgie muss in jedem Fall eine gründliche Untersuchung erfolgen, um schwerwiegende körperliche Verläufe rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln. Daher wird in jedem Fall neben der Anamnese (Befragung zur Vorgeschichte) auch immer eine körperliche Untersuchung und eine apparative Diagnostik (Ultraschall, Röntgen oder CT/MRT) stattfinden.

 

Ursache der Fibromyalgie

 

Die Ursache für das Entstehen einer Fibromyalgie ist nach wie vor unklar und konnte bislang nicht gefunden werden. Manchmal liegt eine leichte Verletzung zugrunde, eine harmlose Wunde, eine Entzündung oder Infektion. Der dabei empfundene Schmerz kann das Schmerzgedächtnis beeinflussen und auch noch lange nach Abheilen bestehen, ja sich sogar weiter verstärkt haben. Hier spricht man von einer Schmerzbahnung.

Was ist das? Leichte Reize im abgeheilten, gesunden Gewebe können die Nerven und Reizweiterleitung so sehr beeinflussen, dass im schmerzverarbeitenden Zentrum im Gehirn ein regelrechtes Nervengewitter entsteht, was als unerträglicher Schmerz empfunden wird. Und das, obwohl am Ursprungsgebiet dafür keine erkennbare Ursache vorliegt.

Dieser Prozess geht nicht von heute auf morgen, eine Entwicklung über Jahre führt hier zum Problem der Reizübertragung und Wahrnehmung. Genaue Kenntnis der pathochemischen Prozesse im Gewebe und auch in den Nerven besitzen wir leider nicht. Aber es gibt einige Ansätze, die sehr erfolgversprechend zu sein scheinen.

Interessanterweise leiden deutlich mehr Frauen unter einer Fibromyalgie als Männer. Ob es an einem unterschiedlichen Gewebestoffwechsel liegt oder mit einem subtileren Körperempfinden zusammenhängt, kann ich nicht beantworten nur vermuten.

 

Folgen der Fibromyalgie

 

Die anhaltenden Schmerzen, die jahrelange erfolglose Suche nach der Ursache und nicht wirklich hilfreiche Behandlungen führen oftmals zu Resignation, Depression und Abgeschlagenheit. Nicht selten sind Betroffene verärgert und zeigen Aggressionen gegen ihre behandelnden Ärzte.

Durch die Schmerzen bewegen sich Fibromyalgie Patienten immer weniger. Das kann sich zu einem sehr gefährlichen Kreislauf entwickeln, wenn durch den Bewegungsmangel und falsche Lebensweise Tür und Tor geöffnet wird für Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes oder auch ein ernstzunehmender Bluthochdruck.

In diesen Teufelskreislauf gelangte eine meiner Patientinnen. Seit dem 47. Lebensjahr litt sie unter unerträglichen Schmerzen. Erst begann es mit einer morgendlichen Steifigkeit der Glieder und Gelenke. Sie wurde auf Rheuma untersucht, ohne ein Ergebnis. An alle möglichen Infektionskrankheiten hatte man gedacht, aber die Laborergebnisse zeigten nichts Auffälliges. Es vergingen einige Monate und ihre Frauenärztin vermutete einen Zusammenhang mit den Wechseljahren, aber leider besserte die Hormontherapie nur die Stimmungslage ein wenig, nicht jedoch die weiter bestehenden Schmerzen. Mit der Zeit verursachten die Schmerzen einen stetig ansteigenden Blutdruck, der den Einsatz von Medikamenten erforderlich machte. Durch die starken verordneten Schmerzmittel konnte sich die Patientin einigermaßen schmerzfrei durch den Alltag schleppen, jedoch verursachten die Nebenwirkungen weitere Probleme. Neben Magenschmerzen und nachlassender Nierenleistung, stiegen die Leberwerte allmählich an. Ein Wechsel der Medikamente war notwendig. Ohne die Schmerzmittel ging gar nichts mehr. Dementsprechend vermied die Patientin Bewegungen jeglicher Art. Die Couch wurde ihr Lieblingsplatz. Und während ihre Bekannten Aktivurlaube buchten, verbrachte sie den Sommer im Liegestuhl im Garten.

 

Behandlungsansätze

 

Die meisten Patienten erhalten eine hochpotente Schmerztherapie. Oft ist dies eine Kombination aus verschiedenen Schmerzmitteln. Und dieser Cocktail ist nicht ganz ohne. Sogenannte NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika wie Ibuprofen oder Diclofenac) verursachen Magenschmerzen und können sogar blutende Magengeschwüre hervorrufen. Ein Magenschutz mit einem Säureblocker wie Omeprazol oder Pantoprazol sollte daher immer zusätzlich eingenommen werde.

Jedoch sollte man bei einer dauerhaften Einnahme dieser Medikamente unbedingt auch auf die Nieren achten. Die Nierenfunktion kann unter der NSAR Therapie nachlassen und dauerhaft geschädigte Nieren hinterlassen. Vor allem Novalgin (Metamizol) sollte kritisch überdacht werden, wenn die Nieren bereits vor der Therapie nicht richtig arbeiten. Dann sollte man das Novalgin besser nicht anwenden.

Die Leber wird vor allem durch den längeren Einsatz des frei verkäuflichen Paracetamol geschädigt. Also auch damit immer vorsichtig sein und besser den Arzt konsultieren, wenn sie sich nicht sicher sind.

Sie sehen, Medikamente sind eine mögliche hilfreiche Behandlung des Schmerzes, aber hier kaufen sie in jedem Fall die Nebenwirkungen mit ein. Bedenken sie auch, dass sie nur das Symptom Schmerz verdrängen, nicht jedoch an der Wurzel des Übels arbeiten.

 

Fibromyalgie und Bewegung trotz Schmerzen

 

Ein wesentlicher Ansatz bei der Behandlung der Fibromyalgie ist die Bewegung trotz der Schmerzen. Da das Gehirn jegliche Bewegung als Schmerzreiz wahrnimmt, obwohl die Bewegung selbst nicht gestört ist, muß man dem Gehirn zeigen, dass es dem Körper nicht schadet, wenn er sich bewegt. Dabei geht es nicht darum, den Schmerz zu überspielen. Vielmehr beginnt man mit einfachen, leichten Übungen, die man nach und nach steigert. Damit kann das Gehirn den Schmerz verlernen, wenn sie bei der Bewegung positive Verstärker nutzen. Wenn sie sich also an den Pflanzen und Tieren im Park erfreuen, durch den sie gerade spazieren.

Niemals jedoch sollten sie sich über eine gewisse Schmerzgrenze hinaus bewegen. Am besten ist es, wenn man die ersten Übungen unter Anleitung absolviert, sich dabei motivieren und korrigieren lässt. Schmerzsportgruppen für Rheumapatienten gibt es sehr viele. Schließen sie sich dort einfach an, wenn sie keine Fibromyalgiegruppe in ihrer Nähe haben.

 

Fibromyalgie und richtige Ernährung

 

Die genauen Mikroprozesse im Gewebe und den Nerven kennt man bei der Entwicklung der Fibromyalgie leider nicht. Aber es hat sich gezeigt, dass die Ernährung bei der Entstehung der Fibromyalgie eine wichtige Rolle spielt.

Wer wenig Zeit für die Nahrungszubereitung und Aufnahme hat, wird sich auch wenig Gedanken über die Folgen machen. Wer jedoch unter anhaltenden Schmerzen leidet, wird sich gern die Zeit nehmen, über sich selbst nachzudenken und intensive Gedanken über die eigene Lebensweise machen. Dabei wird es früher oder später auch um die Ernährung gehen. Das Sprichwort “Wir sind was wir essen” trifft auch hier wieder einmal zu.

 

Meine Patientin hatte sich mehr aus Gewichtsgründen der Rohkost zugewendet. Nach kurzer Zeit besserte sich nicht nur ihr Blutdruck und ihr Gewicht. Sie stellte fest, dass sie sich deutlich besser bewegen konnte und immer weniger Schmerzmittel benötigte. Ihre Leistungsfähigkeit besserte sich ebenso wie ihre Gemütslage. Innerhalb eines halben Jahres konnte sie nahezu schmerzfrei ihren Alltag bewältigen, was vorher nur mit stärksten Schmerzmitteln möglich war. Es dauerte allerdings noch einmal 6 Monate, bis sie ganz ohne Schmerzmittel auskam. Das liegt sicher mit an einer Gewöhnung des Körpers an die langjährig eingenommenen Schmerzmittel.

 

Entscheidend für einen harmonischen Stoffwechsel im Gewebe ist die Aufnahme von Vitaminen, Elektrolyten, Mikronährstoffen und essentiellen Aminosäuren, die nicht durch Erhitzung oder industrieller Verarbeitung der Nahrungsmittel zerstört werden. Interessant wird es also für das Gewebe, wenn man bei der Ernährung auf ausgewogene, naturbelassene Kost achtet, für die man sich Zeit bei der Auswahl, Zubereitung und Aufnahme genommen hat. Nun werden ihre Augen sicher leuchten. Als Leser von Wandmaker aktuell haben sie sich bereits mit den Vorteilen der Rohkost beschäftigt. Und da wird es sie sicherlich nicht überraschen, wenn sich die Schmerzen bei einer Fibromyalgie durch rohköstliche Ernährung rasch bessern lassen.

Die Rohkost liefert dem Körper nicht nur gesunde Nährstoffe, die das Gewebe unbelastet, unverarbeitet und naturrein erreichen. Die Rohkost hilft auch dabei, den Körper zu entgiften. Denn gerade durch industriell verarbeitete Nahrungsmittel, zerkochte oder durch Hitze veränderte Nahrung kann es im Körper zur Ansammlung von Stoffen kommen, die sich durch zunehmende Konzentration im Körper als Gifte entpuppen. Hier denke ich vor allem an überzählige Zucker, Salze, aber auch Zusatzstoffe, Farbstoffe oder Konservierungsmittel, die mit der Naturkost nie in unseren Körper gelangen würden.

Erst durch eine Ernährung mit Rohkost, ohne diese Stoffe, wird es dem Körper gelingen, sich von den Giften zu befreien. Diese Entgiftung ist ein weiterer herausragender Vorteil, den die Rohkost unserem Körper verschafft.

 

Positiv in die Zukunft blicken

 

  • Denken sie in erster Linie positiv.

  • Eine Fibromyalgie ist ein lästiges Übel, das jedoch nicht lebensbedrohlich ist.

  • Durch eine positive Einstellung öffnen sie sich für ihre Zukunft, die durchaus ohne Schmerzen verlaufen kann.

  • Öffnen sie sich für alternative Behandlungskonzepte, die ohne Schmerzmittel auskommen.

  • Vertrauen sie ihrem Körper, er kann sich selbst heilen.

  • Finden sie ihren inneren Ruhepol.

  • Blenden sie Schmerzen aus. Ihr Gehirn kann die falsch interpretierten Reize verlernen und so die Schmerzen vergessen.

  • Bewegung an frischer Luft wird ihr Herz erfreuen und Appetit auf die naturgegebene Kost machen.

  • Sie werden wieder Freude am Leben finden.

Versprochen.

 

Ich freue mich auf ihre Fragen und Zuschriften und schreibe bereits den nächsten hoffentlich spannenden Artikel für sie.

 

Ihre

Dr. med. Kathrin Hamann

 

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